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Okzident und Orient in der Musik vereint
"tonArt" gastiert in Fürstenfeldbruck
Kontrastprogramm im Veranstaltungsforum Fürstenfeld? Mitnichten, es trafen
sich lediglich verschiedene Zielgruppen auf gleicher Ebene. Während im
Stadtsaal beim Tanzforum die Paare sich zu lateinamerikanischen Rhythmen
drehten, trat im Säulensaal das Duo "tonART" vor ein ambitioniertes
Fachpublikum.
"tonART", das sind
Florian Lang mit Akkordeon und Perkussion sowie Ulrich M. Baur, der
Gitarre und Violine spielt. Beide wurden an diesem Abend von dem Bassisten
Helge Japha, Lehrer an der Kreismusikschule Fürstenfeldbruck unterstützt.
Die drei Musiker
unternahmen eine musikalische Reise durch die verschiedensten Länder, in
denen Tango, Klezmer, Musette und spezifische Volksmusiken zu Hause sind.
Da gab es spannende Dur- und Moll-Wechsel, orientalische Klangmuster,
getragene und mit viel Pathos angereicherte Melodien wie "Miserlou", eine
bekannte griechische Volksweise.
Der typische
argentinische Tango "Barbera" versprühte - schwungvoll gespielt von den
Musikern - Hitze und Leidenschaft. Aber auch Werke von Astor Piazzolla,
dem Rebell unter den Tangokomponisten, der mit seinem Tango Nuevo, dem er
Elemente der klassischen Moderne zufügte, jahrelang den Unmut der
Fundamentalisten in Argentinien zu ertragen hatte und dem man Verrat am
traditionellen Tango der Bordelle vorwarf, standen auf dem vielschichtigen
Programm. So wurde beispielsweise und das war fast verpflichtend, Astor
Piazzollas berühmter "Libertango" interpretiert.
Verschiedene
Musettestücke aus dem französischen Musikraum gaben dem Programm weitere
rhythmische Facetten und Glanzlichter.
Kein geringerer als
Dimitrji Schostakowitsch hat einmal über traditionelle jüdische Musik
gesagt: "Jede Volksmusik ist schön, aber von der jüdischen muss ich sagen,
sie ist einzigartig". Dieses Kompliment aus berufenem Munde gilt einer
Musik, die fröhlich und traurig zugleich sein kann. Trotz ihres
mitreißenden Schwungs beleuchtet sie doch stets auch die weniger heiteren
Seiten des Lebens. So hat es doch sicher einen Grund, wenn "tonART" dieser
Musik einen großen Spielraum einräumte.
Mit Klezmermelodien wie
"Oj Brüderl lechaim" oder "Sherele" konnten die Musiker die spezifische
Eigenart dieses Musikstils dem Publikum eindrucksvoll verdeutlichen. Mit
dem Lied jüdischen Ursprungs "Bei mir bist du schön" landeten die Andres
Sisters in den 30er Jahren bereits einen Riesenerfolg. In der
Interpretation dieses Songs durch die Gruppe "tonART" wurde die Kraft
dieser Melodie deutlich. Alle Titel wurden von "tonART" selbst arrangiert
und in vorzüglicher Weise dargeboten.
Das Konzert wurde zu
einem Streifzug durch die abwechslungsreiche Welt der Folklore. Ob nun
französische Musettewalzer und Tangoversionen oder südeuropäische Musik
erklang, ob sich der Balkan mit Melodien von den Ufern der Donau
musikalisch zu Wort meldete, stets traf das Ensemble die Eigenarten der
jeweiligen Landstriche. Es war Musik, die aufrüttelte. Die Musiker ließen
die Töne fließen, ließen den Melodien ungezügelten Lauf und stießen nach
balsamischen Klangmustern auch plötzlich in furiose Tempi vor. Nach einer
stürmischen Tarantella aus Italien verdeutlichte das israelische Abendlied
"Erev Ba" noch einmal die behagliche Atmosphäre, unter welcher der ganze
Konzertabend stand.
aus: "Fürstenfeldbrucker
Tagblatt"
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